Die aktuellen Projekte der Mitarbeiter am Lehrstuhl für Erwachsenenbildung finden Sie hier. Rückfragen zu den Projekten bitte per Mail an erwachsenenbildung@ruhr-uni-bochum.de.
Dissertationsprojekt von Henning Feldmann, M.A.
Projektbeschreibung:
Gegenwärtige Debatten über Regulative der Weiterbildungsbeteiligung sind im deutschsprachigen Raum stark beeinflusst von Milieuansätzen (v. a. dem des SiNUS-Instituts). Diese sind relativ gut in der Lage, Geschmackspräferenzen auf einem mittleren Allgemeinheitsniveau zu identifizieren und Wahrscheinlichkeiten der Teilnahme an (beruflicher und / oder allgemeiner) Weiterbildung zu bestimmen. Es zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass über die Kategorie Milieu allein keine befriedigenden Erklärungen des Geschehens möglich sind.
In der angelsächsischen Diskussion wird in jüngerer Zeit auf ‚soziales Kapital’ (eher im Sinne Colemans bzw. Putnams als im Sinne Bourdieus) Bezug genommen, also auf soziales Vertrauen, Normen der generalisierten Reziprozität und freiwillige Vereinigungen, in denen generalisierte Reziprozitätsnormen gepflegt und soziales Vertrauen aufgebaut werden. Erste empirische Untersuchungen zeigen, dass der Zusammenhang zwischen sozialem Kapital und Weiterbildungsbeteiligung stark ist - allerdings in unterschiedlicher Weise: einmal erscheint soziales Kapital als funktionales Äquivalent (etwa bei Field u.a.), ein anderes Mal als begünstigende Voraussetzung für die Teilnahme an (formalisierter) Weiterbildung (etwa bei Harney u.a.).
Eine Verbindung zwischen ‚Milieu-’ und ‚Kapital-Ansätzen’ ergibt sich darüber, dass die Verfügbarkeit und/oder Nutzung sozialen Kapitals bei verschiedenen sozialen Milieus offensichtlich unterschiedlich ausgeprägt ist. Dieser Umstand hat allerdings bislang kaum Beachtung gefunden; das Aktivitätsniveau in sozialen Organisationen / Vereinen wird etwa im SINUS-Milieumodell als ein Merkmal unter vielen anderen gewissermaßen ‚beiläufig’ mitgeführt.
Ein bislang nicht beschrittener Weg der empirischen Annäherung an die Bedeutung sozialen Kapitals für die Partizipation an Weiterbildung führt über die Sozialraumanalyse. Unterstellt wird dabei, dass sich Stadtbezirke mit deutlich unterschiedlichen Aktivitätsgraden im Blick auf Weiterbildung identifizieren lassen. In einem nächsten Schritt lässt sich das Aktivitätsniveau in sozialen Organisationen und Vereinen sozialräumlich abbilden. Hinzu genommen werden müssten verschiedene
’kleine soziale Welten’, die informelle, z.T. kommerzialisierte Äquivalente – gewissermaßen ‚moderne’ Formen - des Vereinslebens (insbesondere in den Bereichen Sport und Gesundheit) darstellen. Von den Befunden ausgehend wird schließlich zu prüfen sein, auf welchen Wegen die Ausprägung weiterer Indikatoren für ‚soziales Kapital’ bestimmt werden kann und wie sich die Einzelergebnisse sinnvoll aufeinander beziehen lassen.
Informationen: henning.feldmann@ruhr-uni-bochum.de
„Besser als zu Hause rumsitzen“. Zur Wahrnehmung und Bewältigung interner Ausgrenzung im Übergangssystem zwischen Schule und Beruf. (Erschienen 2011 bei Klinkhardt.)
Dissertationsprojekt von Dr. Juliane Giese
Projektbeschreibung:
Das Übergangssystem kann als eine Art institutioneller Niederschlag der anhaltenden Lehrstellenknappheit verstanden werden. Der Besuch seiner Angebote ist zum ‚normalen’ Bestandteil der Biographie eines erheblichen Teils der jungen Erwachsenen geworden. Die lange Zeit in der einschlägigen Forschung dominierende Konzentration auf das Übergangsverhalten von ‚Risikogruppen’ wird dieser Situation nicht mehr gerecht. Der schulische Alltag bereitet einem Großteil der Schüler/innen erhebliche Probleme, da sie den Anforderungen nicht gerecht werden können. Bearbeitet wird diese Wahrnehmung im Wesentlichen auf zwei Weisen: Während Schulklassen weniger anspruchsvoller Bildungsgänge bzw. weniger ‚angesehener’ Schulen schulische Normen und Erwartungen eher in Frage stellen, sind Schulklassen anspruchsvoller Bildungsgänge bzw. ‚angesehener’ Schulen in höherem Maße bereit, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen und sich schulischen Normen zu beugen. Lehrer/innen sehen sich mit Schüler/innen konfrontiert, deren fachliche und soziale Defizite sie tiefgreifend befremden. Sowohl im Unterricht als auch auf der Ebene der Schulabschlüsse sehen sie sich weithin außerstande, übliche Standards durchzusetzen. Stattdessen sehen sie die Funktion ihrer Schule darin, Schüler/innen einen „Schonraum“ zu bieten. Unter diesen Umständen erwerben Schüler/innen (falls sie überhaupt das Ende des Bildungsganges erreichen) einen ‚verbilligten Titel’, wodurch sie als ‚intern Ausgegrenzte’ charakterisiert werden können. Durch die zur Problembearbeitung verwandten kommunikativen Muster tragen die Akteure fortwährend zur Reproduktion dieser internen Ausgrenzung bei. So wird die Berufsfachschule, indem sie (streng genommen) ihre Aufgabe nicht erfüllt, aufs Beste der Funktion gerecht, die dem Übergangssystem zugewachsen ist: nämlich „die jungen Menschen von der Straße zu holen“.
Informationen: juliane.giese@ruhr-uni-bochum.de
Dissertationsprojekt von Dr. Kerstin te Heesen
Projektbeschreibung:
Vor dem Hintergrund der im jüngeren erwachsenenpädagogischen Diskurs als "Neuentdeckung" diskutierten informellen Formen des Lernens veranschaulicht die Dissertation, dass es sich hierbei nicht um neue, sondern um vergessene, in der bisherigen Historiographie nicht hinreichend beachtete Formen handelt.
Am Beispiel des illustrierten Flugblattes werden Parallelen zwischen den mit der Erfindung des Buchdrucks einhergehenden Effekten auf die Vermittlung und Aneignung von Wissen einerseits und dem skizzierten erwachsenenpädagogischen Diskurs andererseits aufgezeigt, die verdeutlichen, dass informelle Formen des Lernens mittels Medien spätestens mit Durchsetzung des Buchdrucks für weite Bevölkerungskreise relevant wurden.
Fokussiert wurden in diesem Kontext insbesondere die Vermittlungsabsichten und das Aneignungspotenzial des in der Epoche der Frühen Neuzeit (1480 - 1650) populären illustrierten Flugblattes.
Informationen: kerstin.teheesen@uni.lu
Habilitationsprojekt von Prof. Dr. Michael Schemmann
Veröffentlichung vgl. Schemmann, Michael (2007): Internationale Weiterbildungspolitik und Globalisierung. Orientierungen und Aktivitäten von OECD, EU, UNESCO und Weltbank. Bielefeld.
Informationen: Michael.Schemmann@erziehung.uni-giessen.de
Dissertationsprojekt von Dr. Olaf Dörner
Veröffentlichung vgl. Dörner, Olaf (2006): Umgang mit Wissen in betrieblicher Praxis.Dargestellt am Beispiel kleiner und mittelständischer Unternehmen aus Sachsen-Anhalt und der Region Bern. Bad Heilbrunn.
Informationen: Olaf.Doerner@unibw.de